Bereits 1919 gegründet ist der Junggesellenverein Hohenleimbach sicher einer der traditionsreichsten ortsansässigen Vereine, dessen Zweck laut der aktuell gültigen Vereinssatzung im „Erhalt und der Pflege des traditionellen Junggesellenbrauchtums insbesondere in der Gemeinde Hohenleimbach/Lederbach“ besteht.
Laut den gesammelten Aufzeichnungen lässt sich das Bestehen des Vereins auch bis ins Jahr 1994 zurückverfolgen, doch dann wurden mangels neuer Mitglieder die Aktivitäten eingestellt.
Erst mehr als 10 Jahre später im Jahr 2005 trafen sich die Jugendlichen des Dorfes um den Versuch einer Neugründung des Junggesellenvereins in Erwägung zu ziehen, doch die Zeit war wohl noch nicht reif dafür und daher wurde dieses Vorhaben für weitere vier Jahre verworfen und erst im Jahr 2009 erneut aufgegriffen.
Somit wurde am 25.08.2009 der „Junggesellenverein Hohenleimbach 1919 e.V.“ als Fortführung des seit 1919 bestehenden Vereins neugegründet.
Auch in der lokalen Presse fand dieses Ereignis Beachtung, wie folgende Zeitungsartikel belegen:




Doch worin liegt eigentlich das besagte Junggesellenbrauchtum, welches von den Mitgliedern in Ehren gehalten werden soll und dessen Fortführung sich der Verein zur Aufgabe gemacht hat.
Ein Blick in die Ortschronik von Hohenleimbach bringt hierzu ein wenig Aufschluss.

Über die Zeit hinweg hat sich aber auch das hier beschriebene Maibrauchtumswesen leicht abgeändert.
Heute ist der Vorabend des 1. Mai durch das Aufstellen des Maibaums in Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Feuerwehr Hohenleimbach bestimmt.
Nach Erledigung dieser Aufgabe ist es an den Junggesellen ihrer Angebeteten durch das Aufstellen einer mit bunten Bändern geschmückten Birke an deren Haus zu erfreuen.
Doch Obacht sollte einmal eine andere Baumart auftauchen ist dies ein nicht ganz so nett gemeinter Hinweis.
„Eindringlinge“, die einem hiesigen Mädchen „einen Maibaum stellen“ möchten, zahlen eine kleine Abgabe an den Junggesellenverein, denn schließlich geht eine potentielle Ehefrau für die Mitglieder verloren.
Den Abschluss des Abends bildet das „Schleifen“, eine Tätigkeit, bei der unterschiedlichste Gegenstände von den Dorfbewohnern „entliehen“ werden.
Diese können von ihren Besitzern am nächsten Morgen am Maibaum auf dem Dorfplatz abgeholt werden.
Traditionell beteiligt sich der Junggesellenverein auch an der Zelebrierung der hiesigen
Kirmes, zu der, wie schon im Mai der Maibaum, ein Kirmesbaum aufgestellt wird. Zudem wurde in früherer Zeit am Kirmesmontag eines jeden Jahres ein großer Festumzug organisiert. Diese Tradition kann aber aufgrund der Tatsache, dass die meisten Mitglieder berufstätig sind oder zur Schule gehen nicht mehr am Montag stattfinden. Daher wird nun alternativ der Kirmesbaum am Freitagabend vor dem Kirmeswochenende in einem Fackelzug zum Dorfplatz begleitet.

Einer der wichtigsten Bräuche, die vom Junggesellenverein fortgeführt werden, ist das traditionelle Singen der Hillig.
Das Wort Hillig stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet so viel, wie „dem Brautpaar dargebrachter Gesang“.
Dabei trägt der Junggesellenverein in der auch bereits in der Dorfchronik festgehaltenen Reihenfolge (siehe unten) die Lieder „Ich habe mir eines erwählet“ und „Schönste Allerschönste“ vor, bevor ein Vereinsmitglied den Hilligspruch vorträgt.
Abschließend singt der ganze Verein das Lied „Der Ehestand“.
Dieser Brauch fand früher grundsätzlich am Vorabend der ersten Bekanntmachung der baldigen Eheschließung des Brautpaares in der Pfarrkirche statt.
Heute findet die Hillig in der Regel am Polterabend statt.


Eng verbunden mit dem Singen der Hillig ist auch das „Sturmsingen“, denn heiratet ein ortsansässiger Junggeselle nicht vor dem 30. Lebensjahr, so wird ihm „der Sturm gesungen“.
Dabei handelt es sich in der Regel um ein Schmählied, welches dem nun „alten“ Junggesellen seine missliche Lage verdeutlichen soll.
In früheren Zeiten machte der JGV auch durch die regelmäßige Aufführung von Laientheater auf sich aufmerksam, wie man den folgenden Zeitungsartikeln entnehmen kann.


Manche Bräuche allerdings, wie das im obigen Artikel beschriebene Anschießen des neuen Jahres sind allerdings aufgrund des mittlerweile deutlich verschärften Waffengesetzes nicht mehr möglich.
Feste
Neben der jährlichen Kirmes hat sich der Junggesellenverein seit 2010 auch wieder zum Ziel gesetzt ein regelmäßiges Junggesellenfest zu veranstalten.
Die Aufzeichnungen der vergangenen Jahre zeigen, dass das letzte Junggesellenfest vor der Neugründung wohl 1986 stattgefunden haben muss.
Diesem Fest waren aber bereits rauschende Feste mit hohen Besucherzahlen im Saal des Landgasthofs Müller-Brenk vorangegangen.
Im Jahre 2010 wurde schließlich das Neugründungsfest gefeiert, welches durch rege Beteiligung der Dorfbevölkerung und der Junggesellenvereine aus den umliegenden Dörfern als großer Erfolg zu verbuchen war.
Die gute Stimmung lässt sich auch an den folgenden Fotos erkennen.